Ich werde oft gefragt, was einen Ingenieur dazu bringt, Unternehmen durch Krisen zu führen. Die Antwort beginnt nicht im Hörsaal und nicht im Konzern, sondern in einem mittelständischen Maschinenbaubetrieb in Lorch – dem Unternehmen meiner Eltern.

Lehrjahre im elterlichen Betrieb

Meine ersten Erfahrungen im Vertrieb habe ich bei der Paul Andrä KG gesammelt, einem Hersteller von Maschinen für die professionelle Gebäude­reinigung. Schon als Schüler und später neben dem Studium habe ich dort im Vertrieb mitgearbeitet – zehn Jahre lang, von 1988 bis 1998.

Was man in einem Familienbetrieb lernt, steht in keinem Lehrbuch: dass jeder Euro zählt. Dass Kunden Menschen sind und keine Umsatzzeilen. Und dass am Ende immer jemand persönlich für das Ergebnis geradesteht.

Ingenieur aus Überzeugung

Studiert habe ich Maschinenbau an der Universität Karlsruhe, dem heutigen KIT. Das Ingenieurstudium hat mein Denken geprägt: Probleme in ihre Bestandteile zerlegen, Ursachen statt Symptome behandeln, Lösungen an der Wirklichkeit prüfen. Diese Haltung hilft mir bis heute – in der Werkshalle ebenso wie beim Blick in die Bilanz.

Bosch: Disziplin, Märkte und die Welt

1998 begann ich bei Bosch in Stuttgart, zunächst als Assistent des Vertriebsleiters, dann als Teamleiter für den Volkswagen-Konzern mit Audi als Key Account im Bereich Common Rail. Es folgten fast fünf Jahre in Mailand und Turin, in denen ich den technischen Vertrieb für italienische Kunden verantwortete und mit Herstellern wie Fiat und GM die Jahrespreise verhandelte. Anschließend betreute ich von Stuttgart und Wuxi aus das Geschäft mit chinesischen Herstellern – der Umsatz im chinesischen Markt hat sich in dieser Zeit mehr als verdreifacht.

Der Konzern hat mich Prozesse, Disziplin und Qualitätsdenken gelehrt. Das Ausland hat mich gelehrt, zuzuhören – und dass es für dieselbe Aufgabe sehr unterschiedliche, gleichermaßen gute Wege gibt.

Beratung: Unternehmen in der Krise

2009, mitten in der Finanzkrise, wechselte ich zu Struktur Management Partner, einer auf Restrukturierung spezialisierten Beratung. Fast neun Jahre lang habe ich mittelständische Unternehmen durch schwierige Phasen begleitet – Automobil­zulieferer, Maschinen- und Anlagenbauer, metallverarbeitende Betriebe. Ab 2011 leitete ich das Branchencenter Automotive, erarbeitete gemeinsam mit dem Institut für Automobil­wirtschaft eine Branchenstudie und entwickelte Werkzeuge, mit denen sich Geschäftsmodelle und Zukunftsfähigkeit von Zulieferern bewerten lassen.

In der Beratung lernt man, Muster zu erkennen: Krisen kündigen sich fast immer früh an – nur werden die Signale selten ernst genommen. Und man lernt, dass gute Konzepte wertlos sind, wenn niemand sie umsetzt.

Vom Berater zum CEO

Genau deshalb habe ich 2018 die Seite gewechselt und als CEO die Verantwortung für SCS Stahlschmidt Cable Systems übernommen – einen Zulieferer für Bowdenzug­systeme mit Standorten in Europa, China, Kanada und später Marokko. Es folgten der Aufbau eines neuen Werks in Tanger, die Neuausrichtung des europäischen Produktions­netzwerks, ein internationaler Investoren­prozess und schließlich, als Geschäfts­führer der Suprajit Germany GmbH, die Integration in die Suprajit Group.

Als CEO trägt man die Konsequenzen der eigenen Entscheidungen – gegenüber Gesellschaftern, Banken und Kunden und vor allem gegenüber den Menschen im Unternehmen. Diese Verantwortung verändert den Blick. Man wird demütiger und entschlossener zugleich.

Warum heute der Mittelstand?

Mit der FAERBER Verwaltungs­gesellschaft schließt sich für mich ein Kreis. Ich arbeite heute wieder für die Art von Unternehmen, in der ich groß geworden bin: Mittelständler, oft inhaber- oder familiengeführt, technisch stark und international unterwegs – und häufig in einer Phase, in der es auf Erfahrung, Tempo und klare Entscheidungen ankommt.

Was ich mitbringe, ist kein Lehrbuchwissen, sondern das, was ich selbst erlebt habe: in der Werkshalle, am Verhandlungstisch und in der Geschäfts­führung. Und die Überzeugung, die mich seit dem elterlichen Betrieb begleitet: Am Ende zählt, was umgesetzt wird.

Am meisten bewirke ich dort, wo ich langfristig Verantwortung übernehmen kann: als CEO, der ein Unternehmen nicht nur durch eine Phase bringt, sondern es über Jahre weiterentwickelt.

Über den Autor

Friedemann Faerber ist Geschäfts­führender Gesellschafter der FAERBER Verwaltungs­gesellschaft mbH in Stuttgart. Der Diplom-Ingenieur war über acht Jahre CEO international tätiger Automobil­zulieferer und fast neun Jahre Restrukturierungs­berater. Heute steht er Industrie­unternehmen als CEO und Geschäfts­führer zur Verfügung – dauerhaft, auf Zeit oder im Beirat.

Zum Profil